1. Obwohl Gott den Menschen rechtschaffen und vollkommen geschaffen und ihm ein gerechtes Gesetz gegeben hatte - das ihm Leben versprach, wenn er es halten würde, und den Tod androhte, so sollte er es brechen -, blieb er dennoch nicht lange in dieser ehrenvollen Stellung.l Satan benutzte den Scharfsinn der Schlange, um Eva sich untertan zu machen und anschließend durch sie Adam zu verführen der ohne jeglichen Zwang absichtlich das Gesetz ihrer Schöpfung und das ihnen gegebene Gebot übertrat, indem er die verbotene Frucht aß. 2 Es gefiel Gott, dass er dies gemäß seinem heiligen und weisen Ratschluss zuließ, da er beabsichtigte, es zu seiner eigenen Ehre zu gebrauchen.3 1. Pred 7,29; 1Mose 2,16-17; 5,3. 2. 1 Mose 3,1-7.12-13; 2Kor 11,3; 1Tim 2,14 3. Röm 11,32-3436; 2Sam 24,1; 1Chr 21,1 ; 1Kön 22,22-23; 2Sam 16,10; Apg 2,23; 4,27-28; Offb 4,11. 2. Durch diese Sünde fielen unsere ersten Eltern von ihrer
ursprünglichen Gerechtigkeit und Gemeinschaft .mit Gott ab und wir
in Adam, wodurch der Tod zu allen Menschen kam:4 Daher sind
alle Menschen tot in Sünde, und alle Fähigkeiten und Teile von
Leib und Seele sind vollkommen verdorben.5
3. Da sie der Anfang der Menschheit sind und Adam durch Gottes
Anordnung für und an Stelle der ganzen Menschheit steht, wurde all
ihren Nachkommen, die von ihnen durch gewöhnliche Fortpflanzung abstammen,
die Schuld der Sünde zugeschrieben6 und die verdorbene
Natur auf sie übertragen. Sie werden nun in Sünde geboren7
und sind von Natur aus Kinder des Zorns,8 Sklaven der Sünde,
dem Tod und allen anderen geistlichen, zeitlichen und ewigen Nöten
unterworfen,9 es sei denn, der Herr Jesus befreit sie.10
4. Aus dieser ursprünglichen Verdorbenheit, durch die wir
völlig untauglich, unfähig zu und feindlich gegenüber allem
Guten sind und vielmehr zu allem Bösen neigen,11 rühren
alle gegenwärtigen Übertretungen her.12
5. Die Verdorbenheit der Natur bleibt während dieses Lebens
in denen, die wiedergeboren sind;13 und obgleich sie durch Christus
vergeben und getötet ist, dennoch sie selbst und ihr wesentlicher
Beweggrund echte und wirkliche Sünde.14
6. Obwohl die ursprüngliche Schöpfung durch menschliche
Sünde der Vergänglichkeit unterworfen, zu Grunde gerichtet und
für die Vernichtung vorgesehen ist und obwohl kein sündiger Mensch
irgendetwas Gutes vom Herrn verdient, sondern ihm nur Verurteilung und
ewige Verdammnis zustehen,15 gefallt es dem guten Herrn dennoch,
seine grundsätzliche Güte und sein Wohlwollen,16 gewöhnlich
allgemeine Gnade genannt, in gleicher Weise gegenüber Mensch und Tier17
und gegenüber Gerechten und Gottlosen18 in diesem Leben
bis zum Tod 19 gemäß seinem eigenen Wohlgefallen
unter Beweis zu stellen.20
7. Die allgemeine Gnade des Herrn beinhaltet jeden Ausdruck seines
guten Willens und Wohlwollens, jeglicher Art und jeden Ausmaßes - die
Erlösung von der Sünde ausgenommen -, den diese unwürdige
und sündhafte Welt aus der Hand Gottes empfängt. Sie zeigt sich
hauptsächlich in der andauernden und reichlichen Vermehrung des menschlichen
Lebens,2l im Zurückhalten seines Fluches über die
Erde,22 in seiner Vorsorge für die Ernährung, den
Schutz und den Genuss des Lebens,23 in seiner Einschränkung
der Sünde durch staatliche Mächte, Gewissen und Vorsehung24
und durch seinen Aufschub des Endgerichtes.25 Ihr höchster
Ausdruck ist sein aufrichtiges und wohlwollendes Angebot der Gnade und
Erlösung von Sünde durch Jesus Christus, das den Sündern
ohne Unterschied gemacht wird, um Sünder durch das Evangelium sowohl
zu
8. Diese allgemeine Gnade entspringt der Gutmütigkeit, der
Güte, dem Wohlwollen, der Geduld und dem Erbarmen des Herrn sogar
undankbaren und bösen Menschen gegenüber,27 so dass
Gottes aufrichtiger und erklärter Wille, wegen dessen er diese Gunst
an seinen Feinden erweist, von Güte bestimmt ist, damit sie Buße
tun und Gott suchen. 28 Dennoch endet diese göttliche Gunst
oft dadurch in ihrer angewachsenen Schuld, ihrer Verhärtung und ihrem
Ruin tragisch, 29 dass sich die Sünder auf irdische Dinge
verlassen und seine Güte verachten.30 Diesen Ausgang hat
Gott ebenso beabsichtigt und verordnet.31 Daraus ergibt sich
ein scheinbarer, aber kein echter Widerspruch im Willen und Vorsatz Gottes
zwischen Verdammung und allgemeiner Gnade,32 was zwar in und
durch menschliche Logik unvereinbar ist, aber in demütiger Unterordnung
und im Glauben an alles, was Gott in seinem Wort geoffenbart hat, angenommen
und bekannt werden muss.33
9. Gottes allgemeine Gnade ist durch seine Bünde geregelt,
garantiert und gesteigert worden,34 und sie ergänzt und
unterstützt seine rettende Gnade.35 Gott wird seine allgemeine
Gnade beständig bis zum Endgericht erweisen, solange die Erde besteht.36
10. Diese Lehre der allgemeinen Gnade ist, obwohl sie uns in
ein Geheimnis, in Spannung und scheinbaren Widerspruch verwickelt, dennoch
äußerst wichtig und notwendig für unsere Heiligkeit. Denn
sie ermahnt uns, Gottes Güte nachzuahmen, und bewahrt uns vor gottloser
Härte gegenüber unseren Feinden.37 Denn sie lehrt
uns, jedes äußerlich gute Benehmen von sündhaften Menschen
Gottes Gnade und Stärke zuzuschreiben und bewahrt uns vor sündhaftem
Stolz auf menschliche Tugend und Leistungen. 38 Schließlich
heiligt sie alle guten Gaben, die Gott uns reichlich gibt, damit wir sie
genießen, und bewahrt uns vor einer ungesunden und asketischen Lebensauffassung.
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